Auftritt des Sankt Niklaus in der Orgelstube auf dem Nesslauer Bühl

Ihr lieben kleinen und grossen Leute, welch wunderbare Musik hat mich an diesen gemütlichen Ort der Muse gelockt; ich konnte beim Vorbeigehendem Gwunder nicht widerstehen und besuche euch nun halt schon am 5.Dezember, denn ein Chlaus hat in diesen Tagen ja sooo viel zu tun. Im Wald, da gibt es nicht nur Ruten zu binden, Chlaussäcke zu packen und den Esel zu füttern – im Winter muss auch Holz geschlagen werden; nicht nur für die Toggenburger Kachelöfen und Herde, nein auch für die Zimmerleute, Schreiner und Instrumentenbauer. Und von diesen sind die Orgelbauer (Chlaus richtet seinen Blick auf dieHausorgel) die heikelsten Gesellen – nicht nur die Qualität, nein, auch die Vielfalt der Hölzer betreffend!

Angefangenbeim feinjährigen Fichtenholz für Gehäuse, Blasebalg und die grösseren Pfeifen, der butterweichen Linde für die verzierendenSchnitzereien, über den zähen Ahorn für Registerschieber, Windladenrahmen, Pfeifenspundgriffe und Tretmechanik, bis zum geschmeidigen Buchs für Stechermechanik und Tasten. Damit nicht genug: selbst nach den in unseren Gebirgswäldern ach so raren Obsthölzern wie Birne, Apfel oder Chriesi steht des Orgelbauers Sinn– für die kleinen und kleinsten Pfeifen, wie er stets zuversichern weiss!

Die schwierigen Aufgaben aber kommen erst: nicht ohne internationale Chlausbeziehungen ist an das hochexklusive Ebenholz für dieTastenbeläge der Instrumente betuchter Auftraggeber heranzukommen,geschweige denn an das noble, schneeweisse Elfenbein für dieObertasten. Ja, ja, die Orgelbauer sind nimmersatte Gesellen. Am Ende eines langen Esellebens reissen sie meinem armen Tier das Fell vomLeib um den Blasebalg zu beledern und kochen seine Knochen blank, fürjene, die's Elfenbein nicht vermögen!

Weiss Gott, wo die Orgelbauer das Zinn und Blei für die Metallpfeifen herhaben – das wäre wahrscheinlich eine eigene längere Geschichte!

Ich aber muss schon bald wieder in den Wald, die nächste Orgeltanne fälltschon bald!

26.11.09/ MarkusMeier